Das erste Mal auf dem Brett, die Gabel in der Hand, der Wind zieht an der Segel und der nächste Moment endet im Wasser. Wer mit dem Windsurfen anfängt, kennt dieses Szenario gut. Scheitern gehört dazu, aber viele Anfänger machen Fehler, die sich mit etwas Vorwissen komplett vermeiden lassen. Hier sind die häufigsten davon.
Falsche Ausrüstung von Anfang an
Der erste Fehler passiert oft noch vor dem ersten Kontakt mit dem Wasser: die Wahl der falschen Ausrüstung. Viele Einsteiger greifen zu gebrauchten Einsteigerpaketen mit einem zu kleinen Brett. Für Anfänger gilt als Faustregel, dass das Boardvolumen mindestens das 1,5- bis 2-fache des eigenen Körpergewichts in Litern betragen sollte. Wer 75 Kilogramm wiegt, braucht demnach ein Brett mit mindestens 110, besser 130 bis 150 Litern Volumen.
Auch beim Segel wird oft gespart oder falsch gewählt. Ein zu großes Segel bei Windstärke 4 überfordert jeden Einsteiger sofort. Für die ersten Stunden auf dem Wasser sind Segel zwischen 4,0 und 5,0 Quadratmetern bei normalem Anfängerbauchwetter ideal. Wer mit einem 7-Quadratmeter-Segel starten will, verbringt mehr Zeit im Wasser als auf dem Brett.
Die Körperhaltung stimmt nicht
Der klassische Anfängerfehler schlechthin ist eine falsche Grundposition auf dem Brett. Die meisten Einsteiger stehen zu weit hinten, beugen den Rücken nach vorne und ziehen die Schultern hoch. Das Ergebnis: Das Brett dreht sich unkontrolliert, das Gleichgewicht ist dahin.
Richtig ist: Beide Füße schulterbreit auseinander, quer zur Längsachse des Bretts. Der Mast steht dabei leicht nach vorne geneigt, die Arme bleiben gestreckt, nicht gebeugt. Der Körper lehnt leicht nach hinten, das Gewicht liegt auf den Fersen. Wer das Segel mit gebeugten Armen hält, ermüdet innerhalb weniger Minuten und verliert die Kontrolle.
Blick in die falsche Richtung
Eng damit verbunden: der Blick. Anfänger schauen fast immer auf das Segel oder auf die Füße. Das führt dazu, dass man zu spät auf Windveränderungen oder Wellen reagiert. Der Blick gehört in die Fahrtrichtung, also nach vorne. Klingt simpel, ist aber eine der Gewohnheiten, die am längsten brauchen, um sich zu etablieren.
Den Wind falsch einschätzen
Windsurfen funktioniert nur mit einem Grundverständnis davon, wo der Wind herkommt und wie er auf das Segel wirkt. Viele Anfänger starten bei zu viel Wind, weil der Tag draußen verlockend aussieht. Windstärke 3 bis 4 Beaufort, also etwa 12 bis 28 km/h, ist für Einsteiger die optimale Range. Darunter fehlt der Antrieb, darüber verliert man schnell das Segel aus der Hand.
Wer sich regelmäßig über aktuelle Windbedingungen und Equipment-Empfehlungen informieren will, findet auf windsurfnews.de eine der umfangreichsten deutschsprachigen Anlaufstellen zu diesem Thema. Neben Windberichten gibt es dort auch Community-Erfahrungen zu Material und Lernorten.
Ein weiterer typischer Fehler: Anfänger versuchen, gegen den Wind zu fahren. Das funktioniert beim Windsurfen nicht direkt. Am Wind fahren bedeutet, in einem Winkel von etwa 45 Grad zur Windrichtung zu segeln. Wer das Brett direkt in den Wind dreht, stoppt sofort und verliert das Segel.
Das Aufholen des Segels falsch ausführen
Bevor man überhaupt fahren kann, muss man das Segel aus dem Wasser ziehen. Dieser Schritt überfordert Einsteiger körperlich, weil er falsch ausgeführt wird. Häufige Fehler dabei:
- Den Rücken rund machen statt aus den Beinen zu ziehen
- Das Segel zu schnell und ruckartig hochreißen
- Zu weit über das Brett beugen, was das Gleichgewicht sofort kostet
- Das Uphaul-Seil (das Zugseil am Mast) zu kurz halten
Richtig ist: Füße schulterbreit, Knie leicht gebeugt, Rücken gerade. Das Uphaul-Seil wird mit beiden Händen, abwechselnd, langsam nach oben gezogen. Das Brett darf dabei leicht schwingen, das ist normal. Wer das Segel einmal aufrecht hat, sollte kurz innehalten und die Balance finden, bevor er in die Gabel greift.
Zu früh zu viel wollen
Windsurfen ist eine der technisch anspruchsvollsten Wassersportarten. Wer in der ersten Woche Halsen und Wenden übt, ist auf dem falschen Weg. Die meisten professionellen Kursanbieter planen für die Grundausbildung mindestens acht bis zwölf Unterrichtsstunden ein. Erst danach folgt die Halse, also das Wenden mit dem Wind von hinten.
Ein realistischer Lernplan sieht ungefähr so aus:
| Phase | Inhalt | Ungefährer Zeitaufwand |
|---|---|---|
| 1 | Gleichgewicht, Segel aufholen, Grundposition | 2 bis 4 Stunden |
| 2 | Erste Fahrt, Steuern, Wende am Wind | 4 bis 6 Stunden |
| 3 | Halse, Kurswechsel, Windlagen lesen | 6 bis 10 Stunden |
Wer diesen Ablauf überspringt und direkt ins offene Gewässer will, riskiert nicht nur Frust, sondern auch Sicherheitsprobleme. Strömungen, wechselnder Wind und unebene Wasseroberflächen sind für Einsteiger ohne Grundlagen schwer zu managen.
Ohne Kurs starten
Der vielleicht größte Fehler überhaupt: ohne professionellen Unterricht anfangen. Windsurfen lässt sich nicht vollständig aus YouTube-Videos lernen. Die Rückmeldung einer Kurslehrerin oder eines Kurslehrers ist in den ersten Stunden durch nichts zu ersetzen. Ein guter Anfängerkurs kostet je nach Region zwischen 80 und 200 Euro für zwei bis drei Tage und spart am Ende deutlich mehr Zeit als er kostet.
Wer hingegen mit einer Reihe von Selbstversuchen startet, festigt oft falsche Bewegungsmuster, die später mühsam wieder verlernt werden müssen. Das gilt besonders für die Körperhaltung und die Fußposition auf dem Brett. Einmal eingeschliffene Fehler kosten oft mehr Trainingszeit als der gesamte Anfangskurs gedauert hätte.
Windsurfen lernen bedeutet: Klein anfangen, die Grundlagen sauber üben und das richtige Material wählen. Wer diese drei Punkte beachtet, kommt deutlich schneller voran als jemand, der sich durch Versuch und Irrtum vorwärtskämpft.


